Kraftwerk nutzt Meeresenergie

Gezeitenkraftwerk
Meeresenergie-Kraftwerk Sea Gen: Zweiflügelige Rotoren drehen sich infolge des Gezeitenstroms und richten sich optimal nach der Strömungs-richtung und -geschwindigkeit aus.

Innovative Rotortechnik ermöglicht effiziente Stromproduktion aus den Strömungen durch Ebbe und Flut

Küstenregionen mit starkem Gezeitenstrom wie Großbritannien, Kanada, Frankreich und der ostasiatische Raum haben große Potentiale für die Nutzung von Meeresenergie. Das weltweite Potenzial für die Stromerzeugung aus Meeresenergie mit Gezeitenkraftwerken wird auf 800 Terawattstunden (TWh) jährlich veranschlagt. Das ist rund ein Viertel mehr als der Gesamtstrombedarf Deutschlands und entspricht drei bis vier Prozent des weltweiten Stromverbrauchs. Marine Current Turbines (MCT), die Siemens nun zur Gänze übernehmen wird, konnte mit SeaGen in Strangford Lough in Nordirland bereits ein Demonstrationsprojekt in kommerziellem Maßstab erfolgreich umsetzen. Seit November 2008 erzeugen zwei Axial-Turbinen mit einer Gesamtleistung von 1,2 Megawatt (MW) Strom und versorgen damit rund 1.500 Haushalte. SeaGen hat bislang bereits mehr als drei Gigawattstunden elektrischer Meeresenergie ins Netz gespeist. Gemessen an der Stromerzeugung ist dies bisher das größte Gezeitenturbinenprojekt. Weitere Projekte zur Nutzung von Meeresenergie sind in der Planungsphase: das 8-Megawatt-Vorhaben Kyle Rhea in Schottland und das 10-Megawatt-Projekt Anglesey Skerries in Wales.

Wie aus Meeresenergie Strom wird
Im Naturhafen Strangford Lough befindet sich das Kraftwerk in einer Meerenge. Die Turbine ist an einem Pfeiler inmitten der Strömung angebracht, der in etwa 30 Metern Tiefe am Grund verankert ist. Mit jeder Flut strömen etwa 18.000 m³ Wasser durch die Meerenge und die Strömung erreicht eine stetige Geschwindigkeit von mehr als 5 Knoten (2,4 m/s). Zweiflügelige Rotoren drehen sich infolge des Gezeitenstroms und richten sich – dank der um 180 Grad drehbaren Blätter – optimal nach der Strömungsrichtung und -geschwindigkeit aus. Die Funktionsweise ähnelt der einer Windturbine. Das strömende Wasser hat aber eine um den Faktor 800 höhere Energiedichte als Wind. Ein weiterer wesentlicher Vorteil der Nutzung von Meeresenergie ist, dass die Stromproduktion aufgrund der Gezeitenzyklen zuverlässig planbar ist. Dank der innovativen Technik kann SeaGen sowohl bei Ebbe als auch bei Flut bis zu 20 Stunden am Tag Strom erzeugen. Die Wartung der Anlage erfolgt unkompliziert. Der Querbalken, an dem die Rotoren von SeaGen befestigt sind, kann zu Wartungszwecken mit Hilfe eines hydraulischen Hubsystems über die Wasseroberfläche gehoben werden.

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