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14-Meter-Solar-Flügel eines Transfer-Moduls

Auf zum Merkur!

2 Min. Lesezeit
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07. Juli 2017
Europa und Japan wollen 2018 zum Planeten Merkur fliegen – Messgeräte und die Lenkung für die Sonde aus Österreich.
Nach Mars und Venus und dem Kometen "Tschuri" sind Geräte von österreichischen Weltraumexperten bald auch unterwegs zum Planeten Merkur: Unter dem Namen "BepiColombo" wollen Europa und Japan im kommenden Jahr eine wissenschaftliche Mission zum sonnennächsten und zugleich kleinsten der acht Planeten schicken. Aus Österreich stammen Messgeräte und die Lenkung für die Merkur-Sonde.
Im Oktober 2018 soll "BepiColombo" vom europäischen Raumflughafen Kourou in Französisch-Guyana aus seine Reise in Richtung Merkur starten. Vor ihrem Abtransport wurde die Merkursonde im European Space Research and Technology Centre (ESTEC) in Noordwijk (Niederlande) öffentlich präsentiert. Die Vorbereitungen zu der bisher schwierigsten Mission der ESA würden planmäßig verlaufen, sagte der wissenschaftliche Direktor der ESA, Alvaro Gimenez. Die Raumsonde mit ihren beiden Teilsonden wird sieben Jahre lang unterwegs sein.
An der Planetenmission sind sowohl die Europäische Weltraumbehörde (ESA) als auch die Japan Aerospace Exploration Agency (JAXA) beteiligt. "Wenn die Satellitenmission 'BepiColombo' zum sonnennächsten Planeten Merkur geschickt wird, dann ist es das erste Mal, dass zwei Weltraumsonden zugleich zu diesem Planeten fliegen", erklärte Wolfgang Baumjohann, Direktor des Grazer Instituts für Weltraumforschung (IWF) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) im Gespräch mit der APA. Die beiden Module werden den Planeten von einander ergänzenden Umlaufbahnen aus beobachten. Insgesamt werden sie mehr als ein Dutzend Messinstrumente tragen.

Rot-weiß-roter Wissenschaftsanteil und heimische Weltraumindustrie

Die wichtigsten wissenschaftlichen Ziele der japanischen Sonde, des Magnetosphärischen Orbiters (MMO), sind aus der Perspektive von Baumjohann die Erforschung der Struktur und Dynamik der Magnetosphäre des Merkur. Das Magnetometer auf dem japanischen Orbiter hat das Grazer IWF entwickelt und gebaut. "Bis in die 1970er-Jahre dachte man, der Planet hat überhaupt kein Magnetfeld. Nun weiß man, er hat eines, aber deutlich schwächer als das der Erde", wie Baumjohann schilderte. "Wir wollen besser verstehen, wie das Magnetfeld im Merkur überhaupt erzeugt wird und wie der dort noch sehr junge und ungestüme Sonnenwind mit ihm interagiert", so der Grazer Experte.
Abgesehen vom starken rot-weiß-roten Wissenschaftsanteil an der Mission gibt es auch eine hohe Beteiligung der heimischen Weltraumindustrie an "BepiColombo". Mit einem Auftragswert von 36 Millionen Euro ist diese laut Forschungsförderungsgesellschaft FFG rund doppelt so hoch als üblicherweise.
Hauptauftragnehmer ist die Wiener Weltraumfirma Ruag Space, die mit der "Lenkung" für "BepiColombo" einen entscheidenden Beitrag für die Mission gebaut hat. Neben dem Lenksystem lieferte Ruag Space auch die Steuerungselektronik für die Solar-Paneele, diverse Testausrüstung und die Thermoisolation. Letztere ist besonders wichtig für die Hochtemperatur-Umgebung beim sonnennahen Merkur. Sie muss die Sonde vor Temperaturen von bis zu 400 Grad Celsius schützen. Neben Ruag Space hat auch Siemens Österreich Aufträge für Bodenequipment für "BepiColombo" erhalten, das bei Zusammenbau und Testung der Sonde zum Einsatz kam.