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Wilhelm Reismann (TU), Alexander Schäfer (Wirtschaftsagentur Wien), Ines Weigel (ASCR) und Sabine Erlinghagen (Siemens BT) diskutieren über die Zukunft von intelligenten Gebäuden.

Podiumsdiskussion: Smarte Gebäude

3 Min. Lesezeit
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23. Oktober 2018
Gebäude sollen künftig lernen, die Präferenzen der Nutzer zu erkennen und anzuwenden.
Komfortabel, energieeffizient und so "intelligent", dass man sich wie von einem unsichtbaren Butler umsorgt fühlt: Das sollen smarte Gebäude künftig leisten. Wie weit man auf diesem Weg ist und welche Stolpersteine es noch gibt, war Thema einer Podiumsdiskussion in Wien.

"Gebäude werden aktiver Bestandteil unseres Lebens - beim Leben, Lernen und Arbeiten. Sie wissen über unsere Präferenzen Bescheid und passen die Umgebung, etwa Luft, Temperatur und Licht, entsprechend an. Und sie lernen daraus", erklärte Sabine Erlinghagen von Siemens Building Technologies im schweizerischen Zug.

Inzwischen würden auch Investoren auf diesen Trend reagieren. "Für sie ist wichtig, dass das Gebäude zukunftssicher ist und wertvoll bleibt. Es muss lernen und flexibel nutzbar sein", so Erlinghagen. Länger als fünf Jahre voraus zu planen sei praktisch unmöglich. Bei Büros könnte sich mit der Zeit herausstellen, dass man mehr Besprechungszimmer braucht, bei Krankenhäusern, dass mehr Ärzte beschäftigt werden als gedacht. Letztendlich gehe es auch um eine höhere Produktivität.

Der Trend zur kürzeren Mietdauer bringe mit sich, laufend neue Mieter akquirieren zu müssen. Daher investiere man stärker in smarte Gebäude, die sich relativ einfach an die Entwicklungen anpassen lassen und die künftigen Erwartungen erfüllen würden. Natürlich passiere die Digitalisierung im Gebäudebereich nicht von heute auf morgen und auch künftig würden in manchen Bereichen "dumme" Gebäude gebaut. Das Thema gewinne aber rasch an Bedeutung.

Vertrauen notwendig

"Wichtig ist, die Digitalisierung gemeinsam mit Vertrauen auf die Straße zu bringen. Der Gesetzgeber ist gefordert, uns zu schützen - auch wenn die rechtlichen Grundlagen etwa mit der Datenschutzgrundverordnung noch nicht perfekt sind", sagte die Expertin. Immerhin sei damit ein wichtiger Prozess angestoßen worden. Schließlich sollten die Systeme so sicher wie möglich sein. "Man kann mit smarter Gebäudetechnik den Heilungsprozess von Patienten verbessern, ihn aber auch verschlechtern, wenn die Raumtemperatur bei einem Fieber-Patienten erhöht wird", brachte Erlinghagen ein Beispiel.

Auch Alexander Schäfer von der Wirtschaftsagentur Wien sieht die Entwicklung nicht ausschließlich positiv. Es könnte durchaus zu Einschränkungen der Freiheit kommen, wenn der Alltag von außen geplant werde. Letztendlich würden uns Gebäude auch Entscheidungen abnehmen. "Wichtig ist, schon jetzt an die künftigen Potenziale zu denken und technische Schnittstellen vorzusehen, um an der technischen Entwicklung teilhaben zu können", so Schäfer. Er verwies auf die Bedeutung von Impulsprojekten wie in der Seestadt Aspern, bei denen gemeinsam mit Wirtschaftsakteuren Lösungsansätze entwickelt werden.

"Der Trend geht in Richtung mehr Sensoren, bessere Übertragungsmöglichkeiten und letztendlich mehr Lebensqualität", ergänzte Ines Weigl von der Aspern Smart City Research (ASCR) Forschungsgesellschaft. Smarte Gebäude würden ihren eigenen Energieverbrauch prognostizieren, dürfen aber nicht nur für sich agieren - Stichwort dezentrale Energieversorgung. "Rücksichtslose Gebäude müssen auch wieder in Richtung Nachhaltigkeit geführt werden", so Weigl.

Regulierung bremst

Derzeit würden Normen, Gesetze und Regulierungen die technischen Innovationen stark bremsen. Auch der Test neuer Geschäftsmodelle werde erschwert. Hier müsse eine Balance - etwa in Hinblick auf den Datenschutz - gefunden werden, erklärte die Expertin.

"Es gilt jetzt, gemeinsam an Lösungen zu arbeiten, sich an anfangs kleine Projekte zu wagen und vor allem ohne Heimlichkeiten offen miteinander zu reden", resümierte Wilhelm Reismann von der Technischen Universität (TU) Wien, der die Veranstaltung von Siemens Building Technologies (BT) Österreich moderierte.

 

(APA Science)