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Bei der Wahl des richtigen Stromspeichers gilt es, wichtige Punkte zu beachten.

Das kleine "Stromspeicher-Einmaleins"

5 Min. Lesezeit
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11. Juni 2019
Die 10 wichtigsten Kriterien beim Kauf einer Smart Battery.

Sonne und Wind sind unbegrenzt verfügbar – nur leider nicht immer dann, wenn wir sie brauchen. So kann es passieren, dass an sonnenreichen Tagen Unmengen an Solarstrom in die Netze fließen, während nachts bei Windflaute ein kritischer Mangel herrscht. Stromspeicher sind deshalb ein wichtiger Baustein bei der Umsetzung der Energiewende: Sie ermöglichen uns, den erzeugten Solarstrom selbst zu nutzen und so die Stromnetze zu entlasten, wodurch ein höherer Ausbau von Photovoltaikanlagen (PV) realisiert werden kann. So kann jeder einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten und sich nebenbei noch gegen steigende Strompreise absichern.

1. Platzbedarf

Jeder Stromspeicher auf dem Markt hat unterschiedliche Abmessungen – manche sind breit und flach, andere schmal und tief. Wieder andere sind sehr kompakt oder sperrig. Deshalb sollte vorab der verfügbare Platz im Haus überprüft werden. So eignen sich flache Speicher zum Anbringen in schmalen Gängen oder hinter Türen, schmale Speicher wiederum in engen Technikräumen. Auch die Sicherheitsabstände der Lüftungen müssen beachtet werden.  

2. Modularität

Modulare Systeme zeichnen sich dadurch aus, dass sie eine unterschiedliche Anzahl an Batteriemodulen aufnehmen können. Das ermöglicht es, die für den Verbrauch passende Speichergröße auszuwählen. Insbesondere ist es wichtig, dass später weitere Batterien nachgerüstet werden können, falls beispielsweise ein Elektroauto oder eine Wärmepumpe angeschafft wird.

3. Kapazitätsangaben

Einige Hersteller geben als Kapazität ihrer Batterien den Bruttowert an, um diese größer erscheinen zu lassen. Jede Batterie hat aber nur eine begrenzt nutzbare Ladetiefe. Die Angaben sollen daher ganz genau geprüft und die Nettokapazität der Systeme verglichen werden.

4. AC- vs. DC-gekoppeltes System

PV-Module erzeugen Gleichstrom (DC), während unsere Hausnetze mit Wechselstrom (AC) funktionieren. Deshalb wird der erzeugte Gleichstrom immer über einen PV-Wechselrichter in Wechselstrom umgewandelt. Stromspeicher können dann entweder direkt auf der Gleichstromseite zwischen PV-Anlage und Wechselrichter eingebaut (DC-Kopplung) oder aber flexibel ins Wechselstromnetz eingehängt (AC-Kopplung) werden.  

Welches System hier bevorzugt wird, ist eher eine Philosophiefrage. So spart man sich bei DC-Systemen einen Wechselrichter, weil der Wechselstrom nicht wieder für die Batterien in Gleichstrom umgewandelt werden muss. Allerdings wird die Kostenersparnis von den meisten Herstellern dann im Speicher wieder eingepreist und auch die vermiedenen Wirkungsgradverluste sind mittlerweile vernachlässigbar gering. Auch müssen DC-Speicher genau auf die PV-Anlage dimensioniert werden und bei hohen Verbräuchen kann der Strom nicht gleichzeitig aus PV-Anlage und Speicher bezogen werden, sondern Strom muss aus dem Netz hinzugekauft werden. AC-Systeme sind bei der Kapazität hingegen völlig flexibel und können sowohl mehrere Erzeuger anschließen als auch Strom aus dem Netz aufnehmen – das lohnt sich insbesondere, wenn in Zukunft Tag-/Nachttarife genutzt oder Energie am Strommarkt gehandelt werden soll. 

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5. Integriertes System vs. „Bastellösung“

Integrierte Systeme stammen von einem einzigen Hersteller und beinhalten bereits alle wichtigen Komponenten: Batterien, Wechselrichter und die Steuerungsintelligenz. Die Komponenten sind dabei alle optimal aufeinander abgestimmt und der Hersteller gibt eine entsprechende Systemgarantie.   

In der Regel arbeiten solche Premium-Anbieter allerdings nur mit ausgewählten Partnern und exklusiven Vertriebsrechten. Gerade viele kleine Elektrobetriebe müssen sich daher mit Einzelkomponenten unterschiedlicher Hersteller aus dem Großhandel begnügen und diese aufwändig miteinander verdrahten. Treten dann Probleme auf, kann jeder Komponenten-Hersteller den Fehler beim jeweils anderen verorten, ohne eine Lösung herbeiführen zu müssen. Sollte in der Zwischenzeit auch noch der Installateur insolvent oder in Pension gegangen sein, steht kein Ansprechpartner mehr zur Verfügung. Es ist daher immer zu empfehlen, ein Gesamtsystem zu kaufen. Hier gibt es immer eine Kundenhotline und bei Bedarf auch einen Service-Techniker. 

6. Eigenverbrauchsoptimierung vs. Notstrom

Stromspeicher können mit unterschiedlicher Absicht gekauft werden. Die meisten Menschen haben die Eigenverbrauchsoptimierung im Sinn – sie wollen sich von konventionellen Energieträgern unabhängig machen, einen Beitrag zur Energiewende leisten und dabei Geld sparen. Es gibt aber auch solche, die Angst vor Blackouts haben und deshalb auf eine Notstromfunktion Wert legen. Richtig gemacht, kann so bei einem Stromausfall das Hausnetz weiter betrieben werden.

Wie auch immer entschieden wird – wichtig ist: Beides zusammen – Eigenverbrauchsoptimierung und Blackoutvorsorge – geht nicht. Notstromsysteme haben nicht nur selbst einen höheren Verbrauch, sondern müssen immer Batteriekapazitäten blockieren, die dann nicht zur Eigenverbrauchsoptimierung bereitstehen. Damit sind sie deutlich ineffizienter als andere Systeme.

7. Herkömmliche vs. prognosebasierte Ladestrategien

In manchen Fällen ist die Rückspeisung der PV-Anlage ins eigene Hausnetz aufgrund von Förderrichtlinien oder netzkritischen Situationen zu begrenzen. Wird der überschüssige Strom dann nicht direkt verbraucht, entstehen sogenannte Abregelungsverluste – trotz Sonnenschein wird also kein Strom mehr produziert.  

Stromspeicher können diese Verluste reduzieren – aber nur wenn sie über ein intelligentes Energiemanagement mit prognosebasierter Ladestrategie verfügen. Denn während herkömmliche Batterien Produktionsüberschüsse einfach sofort einspeichern und dann zur Mittagszeit trotzdem abgeregelt werden muss, weil sie bereits voll sind, können prognosebasierte Systeme vorausschauend das Laden verschieben und Abregelungsverluste vermeiden. So hat die Hochschule für Technik und Wirtschaft (htw) Berlin in einer groß angelegten Speicherstudie festgestellt, dass bei herkömmlichen Speichern ein Ertragsverlust von ca. 8%, bei prognosebasierten Systemen aber von weniger als 2% anfällt. Intelligente Systeme sparen also bares Geld und leisten einen wichtigen Beitrag zur Netzentlastung

8. Indoor- vs. Outdoor-System

Einige Hersteller bieten Outdoor-Systeme an, die beispielsweise in der Garage oder an der Hauswand angebracht werden können. Dies macht insbesondere für den amerikanischen oder australischen Markt Sinn, da Häuser dort häufig nicht über einen Keller verfügen. Im Gegenzug sind solche Systeme häufig ineffizienter, denn sie verfügen sowohl über eine Wasserpumpe zur Kühlung als auch über eine Heizung, die einen kontinuierlichen Eigenverbrauch aufweisen. Auch sind solche Systeme oft geschlossen – die Kapazitäten können also später nicht bedarfsgerecht erweitert werden. Und sollte die Pumpe nach ein paar Jahren ausfallen, muss das komplette System getauscht werden. Wer also nicht zwingend nach draußen gehen muss, sollte sich eine solche Anschaffung gut überlegen.

9. Smart-Home-Ready

Wenn derEigenverbrauch auch in Zukunft weiter optimieren werden soll, wird ein intelligentes Energiemanagement benötigt, welches sämtliche Verbrauchsgeräte in einem Haushalt miteinander vernetzt und so steuert, dass der Stromverbrauch minimiert und die Deckung mit eigenem Solarstrom maximiert wird. Insbesondere die intelligente Anbindung von Wärmepumpe, Heizelement und eAuto-Wallbox an den Speicher sollte deshalb gegeben sein.

10. Garantiebedingungen

Zahlreiche Hersteller werben mit einer hohen Zahl an Garantiejahren, um für Kunden attraktiv zu erscheinen. Der Teufel steckt hier allerdings im Detail: So werden häufig versteckte Kosten für Anfahrt, Reparatur oder Ersatzteile auch im Garantiefall auf den Kunden abgewälzt. Unser Tipp: Bevor ein Stromspeicher gekauft wird – die Garantiebedingungen ganz genau durchlesen.

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