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Energiehochburgenland

3 Min. Lesezeit
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24. Juni 2019
Wie sich eine Region im Südburgenland zu einem Innovationslabor für das Energiesystem der Zukunft entwickelt hat.

Andreas Schneemann ist Unternehmer und Energietechniker aus Stegersbach im Burgenland. Seit 15 Jahren setzt sich Schneemann mit erneuerbaren Energiesystemen auseinander. Sein jüngstes Projekt: das Innovationslabor zur Schaffung eines digitalen erneuerbaren regionalen Energiesystems. Innovationslabore sind Förderinstrumente des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) im Rahmen der Programmschiene Stadt der Zukunft. Mit den Innovationslaboren unterstützt das BMVIT die systematische und langfristige Entwicklung von innovationsfördernden Gestaltungsräumen für neue Ideen und Konzepte, um die Praxiswirksamkeit von Forschung zu erhöhen. Das Thema des von Schneemann initiierten und act4energy genannten Innovationslabors ist die Optimierung des Eigenverbrauchs von erzeugtem PV-Strom auf dem aggregierten Nutzerniveau von Mehrfamilienwohnhäusern oder auf Gemeindeebene. Das ist nicht nur ein möglicher Ausgangspunkt für attraktive Geschäftsmodelle für PV-Nutzer, sondern stellt auch einen interessanten Ansatzpunkt zur Mobilisierung von Flexibilitätspotenzialen für die Energienetze unter Einbeziehung von Endnutzern dar.

Win-win-Situation
Die dazugehörige Innovationslabor-Region, die Andreas Schneemann 2018 geschmiedet hat, umfasst zehn Gemeinden im südlichen Burgenland rund um Oberwart und Stegersbach mit insgesamt rund 20.000 Einwohnern. „Wir wollen hier ein regionales Energiesystem entwickeln und umsetzen, in dem die Energie, die wir vor Ort produzieren, über intelligente Systeme – Steuerungen, Speicher etc. – so verteilt wird, dass weniger Energie aus den übergeordneten Netzen bezogen werden muss“, so Schneemann. „Für uns als Technologiepartner sind solche konkreten Demonstrationsprojekte sehr wichtig, da sie uns die Möglichkeit geben, unsere Produkte in praktischen Anwendungen zu beobachten“, ergänzt Wolfgang Rittsteiger, Siemens Smart Infrastructure – Digital Grid, der auf Seiten von Siemens die Projekte des Innovationslabors act4energy betreut.


Flexibilitäten für Energiehändler und Netzbetreiber
Der Zuschlag für das Innovationslabor durch eine internationale Jury erfolgte wohl auch, weil sich das Vorhaben bereits auf eine Reihe von Projekten in diesem Bereich – ebenfalls initiiert durch Schneemann und sein Team – mit zahlreichen Partnern, auch aus anderen Bundesländern, stützen konnte. Einen wichtigen „Mosaikstein“ stellt das Smart-City-Projekt „Loadshift Oberwart“ dar. Dabei ging es darum, Flexibilitäten auszuloten, die Energiehändlern und Netzbetreibern zur Verfügung gestellt werden können, um beispielsweise trotz volatiler Einspeisung von erneuerbaren Ressourcen energietechnisch ausgeglichen zu bilanzieren. „In diesem Projekt ist unsere Software – DEMS (Dezentrales Energiemanagement-System) – zur Vernetzung der dezentralen Anlagen zum Einsatz gekommen. Die große Herausforderung dabei war, unterschiedlichste Anlagentypen, wie sie typisch auf kommunaler Ebene vorhanden sind, wie ein Rathaus, ein Biomassekraftwerk oder ein Wasserwerk, an ein virtuelles Kraftwerk anzubinden, um die verfügbaren Flexibilitäten möglichst effizient einem ,Flexibilitätsnutzer‘ über ein Webportal anbieten zu können“, erklärt Rittsteiger.


Speicher im Wasserwerk
Mit dem Geschäftsführer des Wasserverbandes Südliches Burgenland, Christian Portschy, hat Andreas Schneemann einen ebenfalls sehr aktiven Mitstreiter, was die Themen Energie- und Versorgungssicherheit angeht. Im Rahmen von „Loadshift Oberwart“ wurde eine PV-Anlage und ein Speicher mit 300 kWh – das Produkt Siestorage von Siemens – beim Wasserwerk installiert. Es handelt sich dabei um die erste Installation von Siestorage in Österreich. „Wir sind stolz darauf, das für die Energiezukunft richtungsweisende Projekt in Oberwart unterstützen zu dürfen. Gleichzeitig machen wir einen großen Schritt in Sachen Versorgungssicherheit für unsere Kunden“, so Portschy.


Speichercluster Südburgenland

Ein weiteres Smart-City-Projekt auf Betreiben von Andreas Schneemann, das ebenfalls eine wichtige Basis für das Stadt-der-Zukunft-Innovationslabor act4energy darstellt, nennt sich „Speichercluster Südburgenland“ – ebenso wie Loadshift Oberwart durch den Klima- und Energiefonds gefördert. Dieses Projekt ist eine logische Fortsetzung der Flexibilisierungs-Aktivitäten in Oberwart, das auf kleinere Einheiten auf Haushaltsebene abzielt, die aber gebündelt ein nennenswertes Asset für ein virtuelles Kraftwerk darstellen können. Dafür werden Privathaushalte, Gebäude von Gemeinden und Unternehmen mit Speichern ausgestattet. Mithilfe eines Datengateways von Siemens soll die Gesamtheit an verschiedenen Flexibilitätspotenzialen im Haushalt optimiert bzw. mit dem virtuellen Kraftwerk vernetzt werden.