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Grüner Innenhof in Wien: Die Pflanzen regulieren Temperatur und Luftfeuchtigkeit

Grüne Fassaden

2 Min. Lesezeit
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05. Juni 2014
Gärten an Gebäudefassaden sparen Energie und verbessern das lokale Klima

Ein flaches Metalldach kann in Wien im Sommer eine Temperatur von 80 Grad erreichen – ein begrüntes Dach wird nicht wärmer als die umgebende Luft. Die Pflanzen wirken als Dämmschicht, durch die Verdunstung von Wasser entsteht außerdem ein zusätzlicher Kühlungseffekt. Das funktioniert nicht nur auf dem Dach, sondern auch an der Fassade, etwa indem man sie mit Pflanzentrögen behängt oder ein bepflanzbares, vorgehängtes Fassadensystem errichtet. Vor den Pflanzen kann man transparente Photovoltaik anbringen, die 80% des Lichts für die Pflanzen durchlassen. Dieses Konzept wurde bautechnologisch bisher kaum erforscht: „Der Energiebedarf von Gebäuden lässt sich heute am Computer sehr genau berechnen, besonders für Null- und Plus-Energie-Häuser ist das wichtig. Für die Planung von begrünten Fassaden fehlten bisher aber einfach verlässliche Daten und Simulationsmodelle“, erklärt Prof. Azra Korjenic. Das möchte sie nun ändern: Durch die Sammlung von Messdaten soll es möglich werden, für ein bestimmtes Haus die energetisch optimale Lösung zu berechnen. Auch die strittige Frage des Kosten-Nutzen-Verhältnisses möchte sie beantworten.

Lösung für die Stadt der Zukunft

Außerdem gibt es wichtige bautechnische Fragen, die noch geklärt werden müssen, damit der Fassadenbewuchs eine optimierte leistungsfähige, kostengünstige und dauerhafte Lösung für die „Stadt der Zukunft“ wird: Wie kann man die Tröge verankern, ohne zusätzliche Wärmebrücken zu schaffen? In welche Fällen reichen einfache Kletterpflanzen aus, wo benötigt man ein ausgeklügeltes Schichtsystem, um den richtigen Effekt zu erzielen? „Die Auswahl der Pflanzen spielt natürlich eine wichtige Rolle“, erklärt Azra Korjenic. Daher arbeitet sie eng mit der Wiener Universität für Bodenkultur zusammen. Unterschiedlicher Pflanzenbewuchs wird in unterschiedlichen Umgebungen getestet. Die bisherigen Messergebnisse stimmen zuversichtlich: Dass Fassadenbegrünung funktioniert und für ein angenehmeres Mikroklima sorgt, gilt bereits als erwiesen. Die Pflanzen regulieren nicht nur Temperatur und Luftfeuchtigkeit, sie haben auch einen positiven Einfluss auf die Stadt, indem sie Feinstaub binden, Lärm mindern, Hitzeinseln entgegenwirken und durch die Speicherung von Regenwasser Überflutungen verhindern können.

Azra Korjenic wurde zuletzt mit zwei Preisen ausgezeichnet:
Am 15. Mai erhielt sie für ihre Habilitationsschrift den VCE-Innovationspreis für Exzellenzforschung im Ingenieurbau und im März den ÖGUT-Umweltpreis.

Weitere Informationen
TU Wien

Prof. Azra Korjenic

Institut für Hochbau und Technologie
Technische Universität Wien
Adolf Blamauergasse 1-3, 1030 Wien
T: +43 (1) 58801 20662
azra.korjenic@tuwien.ac.at