Turbinenverladung
Die ersten beiden Gasturbinen für Bolivien wurden im Hafen von Norrköping/Schweden für den 14.000 Kilometer langen Seeweg verladen.
Energie
2 min

Startschuss für logistisches Megaprojekt

Erweiterung von drei bolivianischen Kraftwerken unter der Leitung von Siemens Österreich beginnt mit Turbinentransport.

Mit der Verschiffung von zwei Gasturbinen im schwedischen Finspång begann diese Woche ein logistisches Megaprojekt. Siemens hat im Mai 2016 den Auftrag zur Erweiterung und Modernisierung von drei bestehenden Wärmekraftwerken des staatlichen bolivianischen Energieversorgers ENDE Andina SAM erhalten, die zu industriellen Gas- und Dampfturbinen(GuD)-Kraftwerken ausgebaut werden sollen. Insgesamt werden Komponenten aus drei Kontinenten nach Bolivien geliefert. Die gesamte Projektabwicklung inklusive Projektmanagement, Logistik und Engineering erfolgt durch die Einheit Industrial Power Plant Solutions bei Siemens Österreich.
Siemens liefert für das gesamte Kraftwerksprojekt u.a. 14 industrielle Gasturbinen, 11 Dampfturbinen, 22 Abhitzedampfkessel, 25 Generatoren, 25 Transformatoren und 3 Kondensatoren. Im gesamten Projektverlauf werden rund 400 Schwertransporte auf dem 1.800 Kilometer langen Landweg von Chile zu den Baustellen in Bolivien die Anden auf knapp 4.700 Metern Seehöhe überqueren.
„Durch die Erweiterung und Modernisierung der Kraftwerke unterstützen wir Bolivien mit Hilfe modernster Technologie dabei, eine erhebliche Menge Erdgas einzusparen, sowie die Stromerzeugungskapazität zu erhöhen. Davon profitiert nicht nur die wachsende Bevölkerung und die sich entwickelnde Wirtschaft, sondern auch die Umwelt“, sagt Wolfgang Hesoun, Generaldirektor von Siemens Österreich. Die Stromerzeugungsleistung der GuD-Kraftwerke Termoelectrica del Sur, Termoelectrica de Warnes und Termoelectrica Entre Rios wird durch die Erweiterung bis Ende 2019 um mehr als ein Gigawatt erhöht. Damit erweitert Bolivien seine Stromerzeugungskapazität um rund 66 Prozent. Der Gesamtwirkungsgrad der drei Anlagen wird, je nach Höhenlage, von derzeit rund 38 Prozent deutlich auf rund 54 Prozent verbessert.

Von Schweden durch den Panamakanal nach Chile

Die 87 Tonnen schweren Turbinen, die verschifft wurden, werden rund 40 Tage über den Atlantik unterwegs sein, bis sie den Panamakanal durchqueren. Weitere zehn Tage später werden sie im Hafen von Arica in Chile auf Spezialtransporter geladen. „Die große logistische Herausforderung hinter dem Projekt ist das Zusammenspiel vieler Komponenten – die Anzahl der Schwertransporte, das Passieren der Anden, die klimatischen Bedingungen, Straßenbedingungen, die nicht mit den unseren verglichen werden können, der weite Weg auf die Baustellen, sowie die limitierte Anzahl von verfügbarem Equipment“, erklärt Hermann Meyer, Leiter der Siemens Division Power and Gas in Österreich.
Die Lage Boliviens im Zentrum des Kontinents eröffnet vielversprechende Chancen für den Export von überschüssigem Strom in die Nachbarländer Argentinien, Brasilien, Peru, Paraguay und Chile. Bolivien will so zur Energiedrehscheibe Südamerikas werden. In den vergangenen Jahren wuchs die Wirtschaft Boliviens mit den höchsten Wachstumsraten Südamerikas. Zudem verfügt das Land über die zweitgrößten Gasreserven in der Region.
„Am Markt für GuD-Kraftwerke in der Industrie, bei Kommunen, aber auch bei klassischen Kraftwerksbetreibern, zeichnet sich ein kontinuierlicher Trend in Richtung dezentraler Energieversorgung mittels kleiner Einheiten ab – so auch bei den drei Kraftwerken in Bolivien“, erklärt Wolfgang Hesoun. „Die in Wien ansässige Siemens Geschäftseinheit für Industrial Power Plants ist in der Lage,  bestens auf die individuellen Anforderungen unserer Kunden einzugehen und den wachsenden Markt für kleinere, dezentrale Industriekraftwerkslösungen aus einer Hand zu bedienen.“ Das Leistungsspektrum umfasst Engineering, Lieferung, Montage und Inbetriebsetzung von schlüsselfertigen GuD-Kraftwerken auf der Basis von Industriegasturbinen zwischen 20MW und 60MW. Weitere Industriekraftwerksprojekte wickelt Siemens in Wien derzeit unter anderem auf Malta und in Israel ab.

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