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Die Kliniken der Inneren Medizin sollen in einem zentralen Gebäudekomplex vereint werden. Ein echtes Mammutprojekt, bei dem die durchgängige Stromversorgung hundertprozentig sichergestellt werden muss – denn die rettet im Zweifel Leben.
Energie
4 min

Vereinte Energiesicherheit

Das Universitätsklinikum des Saarlandes wächst zusammen: Dazu muss die durchgängige Stromversorgung sichergestellt sein.

In einem Waldgebiet südlich von Homburg liegen über hundert Klinikgebäude auf einer Fläche von 200 Hektar verstreut. Sie gehören zum Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS). Mit dem 2009 gestarteten Neubauprojekt IMED (Innere Medizin) soll sich das nun ändern: Alle Kliniken der Inneren Medizin werden künftig in einem großen Gebäudekomplex zusammengeführt.
Bereits 2009 ging das „UKS Projekt Zukunft“ an den Start, um die Infrastruktur und räumliche Gliederung des 1909 eröffneten und mehrfach erweiterten Krankenhauses effizienter zu gestalten. Im Zuge des Projekts werden vor allem die Kliniken der Inneren Medizin in einem Haus zusammengefasst. Der Neubau entsteht in zwei Bauabschnitten: 2015 wurde der erste Teil eröffnet, der zweite soll im Jahr 2018 in Betrieb genommen werden. Am Ende wird die IMED an einem zentralen Ort liegen. Im Gesamtgebäude befinden sich dann unter anderem der moderne Notaufnahmebereich, die Herzkatheterräume, die Knochenmarktransplantations(KMT)-Station, ein Teil der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Laborbereiche sowie der Hubschrauberlandeplatz auf dem Dach.
Doch der Umzug bringt neben dem Vorteil der schnelleren Versorgung der Patienten auch zahlreiche Herausforderungen mit sich. Eine davon war es, eine absolut zuverlässige Stromversorgung zu errichten – und das bei weiterlaufendem Betrieb. Das Universitätsklinikum gab diese Aufgabe in die Hände von Siemens: Es entschied sich für eine einheitliche technische Lösung, die sowohl Mittelspannung als auch Niederspannung umfasst – kurz: Totally Integrated Power.

Rundum sicher versorgt

Das Gesamtprojekt des zentralen IMED-Gebäudes ist deshalb besonders umfangreich, da bis hin zur Rohrpost alle denkbaren Gewerke in die Planung mit einbezogen werden mussten. Wie üblich stand vor Baubeginn eine europaweite Ausschreibung, die den Leistungsumfang nach DIN-Normen klar umriss: Die geforderten Systeme erfüllen hinsichtlich thermischer Belastung und Kurzschlussbelastung höchste Standards und garantieren dadurch eine hohe Versorgungssicherheit. Beispielsweise muss die Allgemeine Stromversorgung (AV) bei einem Ausfall in weniger als 15 Sekunden auf die Sicherheitsstromversorgung (SV) umschalten können und für OP-Räume darf die Stromversorgung zu keinem Zeitpunkt unterbrochen werden.
Da Siemens diese und andere Anforderungen technisch und wirtschaftlich besonders effektiv erfüllen konnte, beauftragte der Hauptauftragnehmer R+S solutions GmbH das Unternehmen mit der Installation von Mittelspannungstechnik und Stromschienen. Im Niederspannungsbereich installierte  Scholl Energie- und Steuerungstechnik, Sivacon Technology Partner von Siemens, die entsprechenden Produkte. „Bereits die vorherige Stromversorgung wurde durch Siemens sichergestellt. Wir haben beste Erfahrungen mit Leistung und Qualität der Produkte gemacht. Deshalb sind wir froh, dass auch bei diesem großen Neubauprojekt Siemens den Zuschlag bekommen hat. Da wissen wir, was wir haben!“, ergänzt Rudi Veith, Leiter Elektrotechnik am UKS. Um den Anforderungen der Schaltgerätekombination mit Bauartnachweis gerecht zu werden, handelt es sich um ein durchgängiges System von der Mittelspannung bis zum letzten Stromkreisabgang, das besonders zuverlässig ist und nur wenig Wartung benötigt.

Über 1.200 Schienenmeter

Zur Netzberechnung nutzte Technologiepartner Scholl das Planungstool Simaris von Siemens. Es unterstützt Elektroplaner dabei, selbst komplexeste Anlagen schnell und effizient zu planen. Im Falle des UKS sparte das sogar bares Geld. Denn zunächst war eine von den Trafos abgehende Kabellösung angedacht. Die Berechnungen mit Simaris ergaben aber, dass Stromschienen des Modells Sivacon 8PS eine kostengünstigere und platzsparende Alternative sind: Statt 84 dicker Kabel müssen nur sechs Stromschienen verbaut werden. Sie führen nun von den Trafos zu den vier Niederspannungshauptverteilungen (NSHV) und von dort weiter zu den je drei Gebäudehauptverteilern. „Mit Kabeln hätte der Platz nicht ausgereicht. Aber auch hinsichtlich der Brandlast sind die Stromschienen sicherer als Kabel. Außerdem können sie ganz einfach um Ecken geführt werden, was vorteilhaft ist, wenn durch Richtungsänderungen die Phasen ausgewendet werden müssen“, so Dirk Steding, Projektleiter bei R+S. 
Um die Versorgung des Krankenhauses mit elektrischer Energie zu jedem Zeitpunkt sicherzustellen, gibt es bereits ab den Trafos neben den drei AV-Stromschienen auch drei SV-Schienen. Sie sind mit feuerschutzhemmenden Promatplatten versehen und entsprechen damit der Feuerschutzklasse F90. Das heißt: Im Brandfall hält das Promat mindestens 90 Minuten dem Feuer stand. Rechnet man die Schienenmeter der AV und der SV zusammen, kommt man auf über 1.200 Meter – das ist auch in den Dimensionen eines Großprojektes ein echter Superlativ.
Ab den NSHV führen dann Hauptverknotungen zur Sicherheitsstromversorgung. Hier stellen drei Diesel-Generatoren den weiteren Betrieb der IMED sicher. Sie können nur eine Notversorgung aufrechterhalten, so dass die medizinisch notwendigen Steckdosen funktionieren und die Hälfte der Beleuchtung erhalten bleibt. Das Schaltanlagensystem sorgt für eine einfache und durchgängige Energieverteilung und die größtmögliche Sicherheit von Personen und Anlagen; ebenso die Systemschränke der drei Gebäudeverteileranlagen: Ein Teil von ihnen verfügt über eine Umschalteinrichtung für den medizinischen Bereich und läuft über ein so genanntes Isolé-Terre-Netz (IT). Im Fehlerfall, beispielsweise bei einem Isolationsfehler oder defektem Kabel, wird der Stromkreis nicht sofort abgeschaltet. So können Operationen oder Untersuchungen zuvor noch beendet werden – das rettet im Zweifelsfall Leben. 

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