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Hochfrequenztechnik faszinierte Markus Vester bereits in der Schule. Er hat das Glück, sein Hobby zum Beruf machen zu können. Der Spezialist für Sende- und Empfangstechnologie in MR-Geräten hat in den 33 Jahren seiner Arbeit bei Siemens Healthineers 195 Erfindungen gemeldet, die in 370 Einzelpatenten und 188 Schutzrechtsfamilien geschützt worden sind.
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#InnoDay: Pionier der Magnetresonanztomografie

3 Min. Lesezeit
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19. Dezember 2017
Spezialist für Sende- und Empfangstechnologie in MR-Geräten hat bei Siemens bereits 195 Erfindungen gemeldet.
Die Entstehung der Magnetresonanztomografie (MRT) war für Markus Vester von Siemens Healthineers eine aufregende Pionierzeit. Seine Leidenschaft für das Erfinden hat er sich bis heute bewahrt. Die meisten seiner Patente beziehen sich auf die Sende- und Empfangseinheiten im MR-Gerät. Dafür wurde er als Siemens-Erfinder des Jahres 2017 in der Kategorie Lebenswerk ausgezeichnet.

Rauch im Labor

Zunächst entwickelte der Erfinder Verstärkersysteme und verbesserte die ersten MR-Geräte, die Siemens Mitte der 1980er-Jahre auf den Markt gebracht hatte. Das war viel aufregender, als es sich anhört: Eines Ta­ges roch es plötzlich nach Rauch im Labor. Ein in eine Spule eingebauter Widerstand war heiß geworden. Vester fand heraus, dass das Sendesignal in Wärme verwandelt und dabei auch das Empfangssignal ver­nichtet wurde. Daraufhin probierte er eine neue Kons­truktion aus, die den Widerstand nicht nur überflüssig machte, sondern auch die Übermittelung der Signale um den Faktor 2, also erheblich, verbesserte. Das war ein Schlüsselerlebnis für den Erfinder: »Ich habe mich sogar selbst als Proband in das MR-Gerät gelegt, um die Verbesserungen zu testen«, erinnert er sich.

Trend zur Wirtschaftlichkeit

Für seine Doktorarbeit kündigte Vester bei Siemens seine Festanstellung, arbeitete aber als freier Mitar­beiter weiter und blieb so hautnah an der neuesten Forschung dran. „Zu Beginn waren Magnetreso­nanztomografen so etwas wie große Physiklabore, bei denen man physikalische Experimente machte, und nebenbei kam auch noch ein Bild heraus“, erzählt Vester schmunzelnd. Zwar wurden MRTs schon seit Mitte der 1980er-Jahre in Klinken eingesetzt, aber es dauerte sehr lange, bis man zu brauchbaren Aufnah­men gelangte. Daher war das kommerzielle Interesse zunächst gering. Doch mit dem MAGNETOM Impact, der 1991 auf den Markt kam, änderte sich das grund­legend. „Das war der erste MRT, den sich die Klinken auch leisten konnten und dessen Einsatz für die Kran­kenkassen bezahlbar war“, erklärt Vester. Dieser Trend zur Wirtschaftlichkeit hält bis heute an, sagt er.

Arbeit im Forschungszentrum

Der Schwerpunkt seiner Arbeit war und ist die Hoch­frequenztechnik für MR-Geräte. Ab 1991 war Vester wieder festangestellter Mitarbeiter im Forschungszen­trum. Dort arbeitete er unter anderem am MAGNE­TOM Open, dessen Magnet nicht ringförmig als Röhre, sondern hufeisenförmig als „C“ mit den Polen über und unter dem Patiententisch angeordnet ist. Damit kann man besser an den Patienten herankommen, beispielsweise für eine Biopsie während des Scans. Für Vester war es eine große Herausforderung, die An­tennen für dieses komplett neue Layout so zu konstru­ieren, dass sie genug Signale für ein brauchbares Bild senden und empfangen konnten.
Weitere Meilensteine waren die parallele Bildgebung, die Matrix-Technologie, bei der gleichzeitig mehrere Lokalspulen am Körper des Patienten Signale emp­fangen, oder die größere Magnetöffnung mit 70 statt 60 Zentimetern Durchmesser. Dabei hat der Erfinder nicht nur die Geschichte der MR-Technologie miter­lebt und mitgeprägt, sondern auch die Forschung an sich: „Heute entwickelt man sehr viel mehr in Simu­lation, damals war es eher Versuch und Irrtum.“ Aber rauchende Widerstände gibt es im Labor gelegentlich auch heute noch.

Gemeinsam statt einsam

Hochfrequenztechnik faszinierte Markus Vester, der heuer seinen sechzigsten Geburtstag feierte, bereits in der Schule. Und er hat das Glück, sein Hobby zum Beruf machen zu können. Der Spezialist für Sende- und Empfangstechnologie in MR-Geräten hat in den 33 Jahren seiner Arbeit bei Siemens He­althineers 195 Erfindungen gemeldet, die in 370 Ein­zelpatenten und 188 Schutzrechtsfamilien geschützt worden sind. Damit Erfinden funktioniert, braucht Vester sowohl stille Stunden als auch Anregungen von außen: „Man stellt sich immer den einsamen Erfinder vor, der in seinem Kämmerchen sitzt und Geistesblitze hat“, meint er. Ein Stück davon sei auch wahr, aber das Arbeiten in der Gruppe, das Interagieren, das ge­meinsame Lösen von Problemen sei mindestens eben­so wichtig: „Es gibt nur ganz wenige Erfindungen, die einer von uns allein gemacht hat.“

Weitere Informationen:
Siemens hat 14 besonders findige Forscher als „Erfinder des Jahres 2017" ausgezeichnet. Die Wissenschaftler sind zusammen für rund 1.300 Erfindungen und 920 erteilte Einzelpatente verantwortlich. Neun der Erfinder kommen aus Deutschland, zwei aus Österreich, einer aus Dänemark sowie zwei weitere aus den USA. Ihre Erfindungen reichen von einer Lösung für künftige digitale Stromnetze über Technologien, die medizinische Untersuchungen wesentlich verbessern, bis hin zu Stromabnehmern, mit denen herkömmliche Lastwagen rein elektrisch fahren können. In der Serie #InnoDay stellen wir Ihnen die Erfinder vor. Siemens Erfinder des Jahres 2017 Siemens Innovation Day 2017