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Ideen für die Industrie 4.0

3 Min. Lesezeit
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06. November 2019
Claudia Schickling und Michael Heiss über eine erfolgreiche Forschungskooperation.

Die Demonstrationsfabrik Industrie 4.0 in der Seestadt Aspern hat als erste von drei österreichischen Pilotfabriken den Betrieb aufgenommen. Wie ist Ihre bisherige Bilanz?

Claudia Schickling: Die Pilotfabrik der TU Wien wurde von 2015 bis 2017 in intensiver Kooperation von drei wissenschaftlichen Instituten der TU Wien und 22 Industriepartnern aufgebaut. Es wurde eine vollständige, digital vernetzte Produktionslinie geschaffen, in der 3D-Drucker in einer multivarianten Serienfertigung produziert werden können. In diesem „Produktionslabor“ finden seit 2017 zeitgleich ca. 20 verschiedene Innovationsprojekte mit Industriepartnern statt, die sich stark mit Digitalisierung befassen. Studentinnen und Studenten haben in der Pilotfabrik die Möglichkeit, ihre Bachelor-, Master- und Doktorarbeiten in industrienahem Umfeld in Kooperationen mit der österreichischen Industrie durchzuführen. Wir bieten auch Gruppenführungen durch die Pilotfabrik, um die Methoden der Industrie der Zukunft vorzustellen. Dies wurde in den letzten drei Jahren von über 10.000 Besuchern genutzt.

  • Claudia Schickling, Leiterin der Pilotfabrik Industrie 4.0, und Michael Heiss, Digitalisierungsexperte von Siemens, freuen sich über eine erfolgreiche Forschungskooperation.
    Siemens
    Claudia Schickling, Leiterin der Pilotfabrik Industrie 4.0, und Michael Heiss, Digitalisierungsexperte von Siemens, freuen sich über eine erfolgreiche Forschungskooperation.

Wie funktioniert die Kooperation mit den Industriepartnern?

Claudia Schickling: Unsere 22 Gründungspartner haben den Aufbau der TU-Wien-Pilotfabrik durch Sachmittel wie Maschinen, Hardware, Software oder ihre Mitarbeit unterstützt. Dadurch werden sie in der Pilotfabrik sichtbar und sie nutzen die Location z.B. für Kundenveranstaltungen. Die Pilotfabrik ist auch offen für neue Partnerschaften. Es gibt ein gestaffeltes Partnermodell für Unternehmen und es besteht die Möglichkeit, gemeinsame Innovationsprojekte mit den wissenschaftlichen Partnern der TU Wien durchzuführen.

An welchen Themen arbeitet Siemens in der Pilotfabrik? 

Michael Heiss: Wir engagieren uns in der Pilotfabrik an mehreren Stellen entlang der Wertschöpfungskette. Angefangen von der Konstruktion mit NX CAD und CAM bis zur virtuellen Inbetriebnahme einer Werkzeugmaschine auf Basis eines digitalen Zwillings. Edge- und Cloud-Computing sind wichtige Themen. Beim Edge Computing werden ohne Einbau von zusätzlichen Sensoren hochfrequente Daten aus der SINUMERIK-Steuerung der Werkzeugmaschine ausgelesen, um beispielsweise Anomalien erkennen zu können. Über die Mindsphere-Plantmanager-App werden die Maschinen der Pilotfabrik übersichtlich gemanagt und analysiert. Auch die Zusammenarbeit von Mensch-Maschine ist in unserem Fokus.

Siemens beteiligt sich auch an den Pilotfabriken in Linz und Graz. Welche Ziele verfolgen Sie damit?

Michael Heiss: Das BMVIT fördert die Pilotfabriken im Rahmen der FTI-Initiative Produktion der Zukunft und möchte einen Fertigungsverbund der drei Pilotfabriken umgesetzt sehen. Siemens ist der einzige Konsortialpartner, der sich in allen drei Pilotfabriken engagiert, und wir tragen gerne dazu bei, diese Vision umzusetzen. Schon heute können wir mit der dafür entwickelten MindSphere-App die „Skills“, also die Fertigkeiten, der drei Pilotfabriken modellieren. So können wir automatisch prüfen, ob ein gewünschtes Produkt in diesen drei Pilotfabriken produziert werden kann.

Was ist Ihr ganz persönliches Highlight in der Pilotfabrik Industrie 4.0?

Claudia Schickling: Zu sehen, wie junge, engagierte Studentinnen und Studenten im Produktionsumfeld mit Industriepartnern Ideen entwickeln und diese in Projekte einbringen. Hier entstehen in Kombination mit den Erfahrungen der Industriepartner kreative Lösungen, die einen direkten Bezug zu aktuellen Fragestellungen der österreichischen Industrie haben.

Michael Heiss: Für mich ist das Projekt „Shared Tasks“ mit dem Team von Prof. Schlund zur Mensch-Maschine-Kollaboration ein besonderes Highlight. Es gibt Fertigungsleitern einen systematischen Ansatz in die Hand, um zu entscheiden, welche Tätigkeiten besser von Menschen und welche besser von Robotern erledigt werden, oder ob Tätigkeiten dynamisch aufgeteilt werden, je nach aktueller Verfügbarkeit.

Weitere Informationen:
Pilotfabrik der TU Wien