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von Siemens Österreich

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Dank eines feinen Musters können Funksignale die Zugscheiben ungehindert passieren.

Bahn frei für guten Empfang

2 Min. Lesezeit
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21. November 2018
Auszeichnung für eine innovative Zugscheibenentwicklung aus Österreich, die Mobilfunkempfang in Zügen verbessert.

Wer kennt es nicht: Während man in der Bahn telefoniert, ist plötzlich kein Empfang mehr da. Ohne Verstärkermodule in den Waggons ist ein guter Mobilfunkempfang in vielen Zügen bislang kaum möglich. Der Grund: die Fensterscheiben der Züge, deren metallische Beschichtung als Wärme- und Sonnenschutz dient. Allerdings wird nicht nur die Wärme- bzw. Sonnenstrahlung reflektiert, sondern auch sonstige elektro-magnetischen Wellen. Dadurch wirkt der Waggon wie ein Faraday'scher Käfig – bei Hochgeschwindigkeitszügen beträgt die Abschirmung 99,9 Prozent.

Siemens- Erfinder des Jahres zum dritten Mal aus Österreich

Die drei Siemens-Forscher Mehrdad Madjdi, Lukas W. Mayer und Andreas Demmer aus Wien haben eine spezielle Scheiben-Beschichtung entwickelt, die Funksignale ungehindert passieren lässt. Möglich macht das ein feines Muster, das die Wissenschaftler per Laser in die elektrisch leitende, transparente Schicht der Scheiben einbringen. "Der Empfangspegel für mobile Endgeräte in der Bahn verbessert sich damit massiv", sagt Lukas W. Mayer, Projektleiter bei der zentralen Siemens-Forschung. "Mit unserer Lösung erreichen wir in Hochgeschwindigkeitszügen mindestens eine 50-fach stärkere Signalleistung bei den Mobilfunkbändern. Zudem lassen die Scheiben sämtliche Frequenzen, die für eine mobile Kommunikation sinnvoll sind, passieren – auch künftige Mobilfunkstandards wie 5G sind ohne zusätzliche Investitionen sofort verfügbar."

Die drei österreichischen Forscher wurden nun für ihre innovativen Zugscheiben als Siemens- Erfinder des Jahres 2018 prämiert. Die Auszeichnung „Erfinder des Jahres“ vergibt Siemens seit 1995 jährlich an herausragende Forscher und Entwickler des Hauses, deren Erfindungen in erheblichem Maße zum Unternehmenserfolg beitragen. Nach 2016 und 2017 geht heuer bereits zum dritten Mal in Folge der Titel „Siemens-Erfinder des Jahres“ nach Österreich.

  • Andreas Demmer, Lukas Mayer und Mehrdad Madjdi (v.l.n.r.)
    Siemens
    Andreas Demmer, Lukas Mayer und Mehrdad Madjdi (v.l.n.r.)
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Bei Kälte und Schnee auf den Testwaggon gewartet

„Wir sind verschiedene Strecken in Österreich gefahren und haben dabei die Signalstärke mit acht Handys im Wagen gemessen und analysiert“, erklärt Demmer. Bei Schnee und Kälte standen die drei so manches Mal in der Morgendämmerung auf dem Bahnsteig und warteten auf ihren Testwaggon. „Wir mussten erreichen, dass für den Mobilfunk bestimmte Frequenzbereiche die Fensterscheibe sehr gut durchdringen, hingegen andere stark gedämpft werden“, sagt Mayer. Und weil Züge viele Jahrzehnte in Betrieb sind, muss der Frequenzbereich auch breit genug für künftige Mobilfunkstandards sein. „Die Kosten für den Einbau der Fenster ändern sich nicht“, erklärt Madjdi. Er hat die Kommunikation mit den Kunden koordiniert und gemeinsam mit den beiden CT-Forschern neue Ideen ausgetüftelt. Ihren ersten Einsatz haben die innovativen Zugscheiben im regulären Fahrgastbetrieb ab Ende 2018 in den Zügen des Rhein-Ruhr-Express (RRX) in Deutschland.