Der Blog zum Innovationsmagazin
von Siemens Österreich

0%
hi!life

Wie arbeiten wir in 20 Jahren?

2 Min. Lesezeit
hi!life
04. Oktober 2019
Im Zuge des Gainer Industriefestivals spricht Christian Kabusch über den modernen Chef und mehr.

Wie sieht die Digitalisierung am Arbeitsplatz aus? Was verändert sich?

Christian Kabusch: Der geopolitische, generationale und technologische Wandel beeinflusst unser Handeln in den Unternehmen heute schon weitreichend. Wir sprechen hierbei von einem VUCA – Umfeld, welches durch Unbeständigkeit, Unsicherheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit geprägt ist.

Konkret bedeutet dies, dass die Anforderungen und der Weg zur Lösung der Aufgaben- oder Problemstellung für Unternehmen und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht langfristig vorausplanbar sind, sondern teilweise immer wieder neu erarbeitet werden müssen.

Gleichzeitig verändert der Einsatz von neuen Technologien die Arbeitsplätze nachhaltig. Administrative und repetitive Aufgaben gehen zurück und neue Arbeitsplätze in den Bereichen Edge und Cloud Computing sowie Kognitiver Intelligenz entstehen neu.

Somit verändern sich die Tätigkeiten in vielen Berufsfeldern grundlegend.

Es gibt die Befürchtung, dass ältere MitarbeiterInnen aufgrund der raschen Digitalisierung zurückbleiben. Teilen Sie diese?

Ich bin persönlich nicht der Meinung, dass ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch die Digitalisierung zurückbleiben werden. Vielmehr stellt sich für mich die Frage wie anpassungsfähig unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in diesem neuen Umfeld sind.

Dies ist jedoch keine Frage des Alters, sondern ob gelerntes, langjähriges Verhalten und Erfahrung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Bereitschaft zur Veränderung negativ beeinflussen.

Grundsätzlich kann der Mensch sich verändern, sonst würden wir heute immer noch in der Steinzeit leben.

Welche Eigenschaften muss der „moderne“ Mitarbeiter mitbringen?

Neben den grundlegenden Fähigkeiten und Kompetenzen, die unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu Bewältigung von alltäglichen als auch komplexen Aufgabenstellungen benötigen, kommt es vor allem auf die persönliche Einstellung (Growth Mindset) jedes Einzelnen ein.

Dies bedeutet, dass sich unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf häufig wechselnde Situationen einstellen müssen. Einerseits sind dies eher klassische Aufgabenbestellungen, die in einem klar definierten Umfang in bekannter Art und Weise zu erledigen sind. Andererseits brauchen sie eine gewisse Neugier und Unternehmertum, um bestehende Vorgehensweisen zu hinterfragen und mit neuen Ideen zu experimentieren.

Was muss wiederum der/die „moderne“ Chef/in können und wie sorgt er/sie dafür, dass Mitarbeiter am digitalisierten Arbeitsplatz glücklich sind?

Wenn wir von „modernen Mitarbeitern“ sprechen, dann müssen wir auch von modernen Führungskräften sprechen. Von unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verlangen wir, dass sie sich in einem stetig wechselnden Umfeld zurechtfinden, gleiches gilt für unsere Führungskräfte.

Ein gelernter und gelebter Führungsstil ist dafür nicht mehr ausreichend. Um die Neugier und das Unternehmertum von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu fördern, muss ich diese an Informationen und Entscheidungen beteiligen sowie das Arbeiten die eigentlichen Arbeitsaufgabe hinweg fördern.

Dies erfordert grundsätzlich ein Vertrauen in die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, dass diese nicht tun, was die Führungskraft von ihnen verlangt, sondern nach der bestmöglichen Lösung der Aufgabenstellung streben, auch wenn diese von der Meinung der Führungskraft abweicht.

Was glauben Sie, wie arbeiten wir in 20 Jahren?

Das ist eine sehr philosophische Frage. Ich hoffe, dass Arbeit sich im Sinne des Menschen weiterentwickeln wird. Diese wird jedoch vielmehr als heute technologisch beeinflusst werden. Persönlich glaube ich jedoch, dass die Grundbedürfnisse von Menschen nach Maslow, wie zum Beispiel nach sozialer Interkation zwischen Menschen oder Sicherheit, erhalten bleiben werden.

Weitere Informationen:
Gainer - das Industriefestival