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Siemens hat den ersten Prototypen des Rhein-Ruhr-Express (RRX) vorgestellt. Der RRX wird als weltweit erster Serien-Zug mit einer neuen Hochfrequenz-Scheibenlösung von Siemens ausgestattet, die den Mobilfunkempfang in Zügen massiv verbessert.
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Funkwellen bitte einsteigen!

2 Min. Lesezeit
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14. Juli 2017
Neue Hochfrequenz-Scheibenlösung für Züge lässt Funkwellen bis zu 500-mal besser durch als konventionelle Verglasungen.

Der Rhein-Ruhr-Express (RRX) wird als weltweit erster Serien-Zug mit einer neuen von Siemens-Forschern in Wien entwickelten Hochfrequenz-Scheibenlösung ausgestattet, die den Mobilfunkempfang in Zügen massiv verbessert. So lassen die neuen Fenster beim RRX die Funkwellen bis zu 500-mal besser durch als konventionelle Wärmeschutzverglasungen. Damit können Fahrgäste zum ersten Mal uneingeschränkt im Internet surfen und telefonieren, ohne dass ein spezieller Verstärker (Intrain-Repeater) notwendig ist. Auch die Zugbetreiber profitieren von der neuen Technik: Bei Neufahrzeugen ist die Scheibenlösung wesentlich kostengünstiger als die Ausstattung mit Intrain-Repeatern.

Details zu der neuen Technologie aus Österreich sowie weitere Fotos und ein Video gibt es hier.

Ohne Verstärkermodule in den Waggons ist ein guter Mobilfunkempfang in vielen Zügen bislang kaum möglich. Der Grund: die Fensterscheiben der Züge, deren metallische Beschichtung als Wärme- und Sonnenschutz dient. Allerdings wird nicht nur die Wärme- bzw. Sonnenstrahlung reflektiert, sondern auch sonstige elektro-magnetischen Wellen. Dadurch wirkt der Waggon wie ein Faraday'scher Käfig – bei Hochgeschwindigkeitszügen beträgt die Abschirmung 99,9 Prozent.
Siemens-Forscher aus Wien haben nun eine spezielle Scheiben-Beschichtung entwickelt, die Funksignale ungehindert passieren lässt. Möglich macht das ein feines Muster, das die Wissenschaftler per Laser in die elektrisch leitende, transparente Schicht der Scheiben einbringen. "Der Empfangspegel für mobile Endgeräte im Zug verbessert sich damit massiv", sagt Lukas W. Mayer, Projektleiter bei der zentralen Siemens-Forschung. "Mit unserer Lösung erreichen wir in Hochgeschwindigkeitszügen mindestens eine 50-fach stärkere Signalleistung bei den Mobilfunkbändern. Zudem lassen die Scheiben sämtliche Frequenzen, die für eine mobile Kommunikation sinnvoll sind, passieren – auch künftige Mobilfunkstandards wie 5G sind ohne zusätzliche Investitionen sofort verfügbar."

  • Die neuen Fenster beim RRX lassen die Funkwellen bis zu 500-mal besser durch als konventionelle Wärmeschutzverglasungen.
    Siemens
    Die neuen Fenster beim RRX lassen die Funkwellen bis zu 500-mal besser durch als konventionelle Wärmeschutzverglasungen.

Viele Vorteile für Zugbetreiber

Auch für Zugbetreiber lohnt sich die neue Technologie. Die Scheiben sind über Jahrzehnte wartungsfrei einsetzbar, einfach zu installieren und brauchen im Vergleich zu Intrain-Repeatern keinen elektrischen Strom. Bei Neufahrzeugen sind sie zudem kostengünstiger. Bestehende Waggons können jederzeit nachgerüstet werden. Die Scheiben lassen sich in alle Schienenfahrzeuge einbauen – das feine Muster in der Beschichtung ist dabei kaum sichtbar.
Im Prüf- und Validationscenter (PCW) in Wegberg-Wildenrath wurde jetzt der erste Prototyp des Elektrotriebzuges mit der neuen Scheibentechnologie für den RRX vorgestellt. Im PCW werden die insgesamt sieben Vorserienfahrzeuge in den kommenden Monaten in Betrieb gesetzt. Sie absolvieren ein umfangreiches Testprogramm, bevor sie erstmals Testfahrten im öffentlichen Bahnnetz absolvieren. Der RRX soll Ende 2018 seinen Betrieb im Großraum Rhein-Ruhr aufnehmen.